Donnerstag, 19. Mai 2016

Die Wächter von Avalon Trilogie Die Prophezeiung




~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Die Prophezeiung“ ist ein Fantasy-Jugendroman und der Auftakt zur „Die Wächter von Avalon“- Triologie der deutschen Autorin Amanda Koch, erschienen 2013 im familia Verlag.
Auch wenn Avalon bereits Inspirationsquelle für zahlreiche Fantasywerke war und die Meisten sicher schon das ein oder andere davon gelesen haben, sollte dies nicht davon abhalten „Die Wächter von Avalon“ zu lesen, denn das Buch stützt sich nur in den Grundzügen auf den klassischen Avalon- und Merlinmythos und erzählt sonst eine weitgehend eigenständige Geschichte.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Wie viele Jugendliche ihres Alters fühlt sich Esmé in ihrem Leben einsam und fremd. Doch bei ihr begründet sich dieses Gefühl weniger auf eine jugendliche Identitätskrise, sondern auf der unbestimmten Ahnung, dass etwas Magisches nach ihr ruft, denn immer wieder sieht sie in ihren Träumen einen seltsamen, unbekannten Ort und einen ebenso geheimnisvollen jungen Mann, der ihr dennoch unglaublich vertraut vorkommt.
Ein Ereignis aus der Vergangenheit bringt sie schließlich auf die Spur von Raven Sutton. Doch die Suche nach ihm, wird auch zur Suche nach ihrem wahren Selbst und einer Bestimmung, die nicht nur ihre beiden Leben für immer verändert.
Denn dunkle Mächte werfen ihre Schatten auf die heilige Insel Avalon und die magische Welt Amaduria, denen nur die Wächter von Avalon Einhalt gebieten können.
 Doch dazu brauchen sie Esmés Hilfe. Wird sie ihrem Schicksal vertrauen und die Prophezeiung der Lichtelfen erfüllen können?  

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover aller drei Bände ist vom Grundkonzept gleich aufgebaut, was ein schönes Gesamtbild liefert. „Die Prophezeiung“ ist in einem schönen, mystischen Grün gehalten, denn die Farbe spielt auch im Buch eine entscheidende Rolle, wobei ich es mir tatsächlich noch einen wenig smaragdgrüner gewünscht hätte. Die sonstige Gestaltung ist aber sehr gelungen, denn der nur vage angedeutete, mit keltischen Mustern verzierte Torbogen wird praktisch von einem dunkleren Streifen zerrissen, auf dem das in mythisches Licht getauchte Gesicht einer jungen Frau, ein schwarzer Adler, ein bedrohlicher Reiter (der zwar ein bisschen zu sehr an die Nazgul aus Herr der Ringe erinnert, aber naja) und im Auslauf auf dem Buchrücken ein grünschimmernder Mond dargestellt sind. Damit spiegelt es für mich Esmés innere Zerrissenheit wieder und gibt mit den Symbolen einen kleinen Ausblick, auf die Geschehnisse im Buch, ohne zu viel zu verraten.
Es wirkt auf jeden Fall sehr durchdacht gewählt und macht trotzdem neugierig.
Auch die Klappentexte sind informativ, ohne zu viel zu vorweg zu nehmen und schüren auf jeden Fall die Neugier.

Praktisch ist auch die Ahnentafel im Anhang, die einen Überblick über Merlins Ahnenreihe gibt, sodass man bei gelegentlich fallenden Namen auch eine gute zeitliche Einordnung hat.
Allerdings hätte ich mir auch eine Karte Amadurias gewünscht, wie ich sie im Anschluss beim Reinschielen in Band 2 finden konnte, denn es werden so oft Orte genannt, dass es schön wäre sie in geografischen Bezug setzen zu können, denn ansonsten fiel es mir teilweise etwas schwer mir Amaduria bildlich vorzustellen und die Namen gerieten etwas in Vergessenheit.
Oder, falls das einfach schon zu viel verraten hätte, eine Karte Britanniens, denn auch hier fallen so viele Namen, die man nicht schon hundert mal gehört hat und damit auch nicht einfach einordnen kann und ich bin jemand, der Reiserouten gerne nachvollzieht bzw. es dann einfach noch realer wirkt, wenn es schon zum Teil in der hiesigen Welt spielt.   

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~

Schreibstil:
Amanda Kochs Schreibstil ist an sich sehr schön und kann durchaus fesseln, aber leider ist er nicht ganz konstant, was an mehreren Dingen liegt.
Zum Teil schreibt sie sehr malerisch mit vielen Beschreibungen und auch Symboliken, wo man schon nicht nur flüchtig drüber lesen sollte, um es zu verstehen, zum Teil aber auch manchmal erstaunlich nüchtern und fast distanziert. Und das Problem daran ist eigentlich, dass dies nicht immer situationsgerecht wechselt, sondern ohne jeglichen Grund.
Für ein Jugendbuch fand ich auch manche Ausdrücke teilweise etwas zu getragen. Mir haben sie zwar keine Verständnisprobleme bereitet, dennoch fielen sie auf, weil sie eher weniger in den heutigen Sprachgebrauch gehören. Ich habe zwar an sich überhaupt nichts gegen die Verwendung solcher Wörter, denn man kann sich ja auch mit den Büchern weiterbilden, bin mir aber nicht sicher, inwieweit junge Jugendliche damit zurechtkommen, weshalb ich die Alterseinstufung nicht allzu jung ansetzen würde.
Was mir aber leider wirklich manchmal den Lesefluss völlig ruiniert hat, waren plötzliche Sichtwechsel. Auktorialer Erzähler an sich wunderbar, man bekommt verschiedene Perspektiven mit und lernt mehr Charaktere gut kennen. Sichtwechsel auch innerhalb einer Situation – völlig ok, wenn auch hier manchmal etwas holprig vom Übergang. Was aber gar nicht ging, waren Situationswechsel von einer Zeile zur nächsten ohne jegliche Vorwarnung. Kein Absatz, kein erkennbarer Abschluss der vorherigen Situation und plötzlich war man an mit einer anderen Person, an einem anderen Ort… Ich musste manche Szenen wirklich zwei- oder dreimal lesen, weil ich den Zusammenhang nicht begriff. Um dann mitzubekommen, dass es gar keinen gab. Manchmal waren Personen einfach da und manchmal waren sie plötzlich weg und in mir bildete sich öfter das Gefühl etwas verpasst zu haben. Was wirklich schade ist, denn mit ein oder zwei Sätzen mehr oder einem Absatz an diesen Stellen, hätte das ganze vermieden und der Lesefluss gewahrt werden können.
Trotzdem hat das Buch auch viele sehr schön geschriebene Stellen und die genannten Kritikpunkte haben mich zu keiner Zeit dazu bewogen das Buch nicht mehr weiter lesen zu wollen. 
   
Aufbau und Storykonzept:
„Die Prophezeiung“ ist noch einmal in weitere Abschnitte gegliedert, da sie zum Teil recht lang sind und inhaltlich meistens einen passenden Schnitt setzen, würde ich sie auch tatsächlich als Solches betiteln und nicht als Kapitel. Ich war auch ganz dankbar für diese Unterteilung, denn der erste Abschnitt war doch ein kleiner Kampf und ich war sehr froh, dass sich dann plötzlich ein weiterer Handlungsstrang fern von Esmé ergab, der sich dann auch gleich mehr auf die eigentliche Thematik bezog und mehr mein Interesse erweckte. Danach fiel es mir nicht mehr ganz so schwer in die Geschichte reinzukommen, auch wenn ich zugeben muss, dass sie mich bis zum Schluss nicht wirklich fesseln konnte. Dabei finde ich das Grundkonzept eigentlich sehr gut, vor allem, weil es sich zwar auf Avalon und den Merlinmythos stützt, aber die Verbindung zu der eigenen magischen Welt Amadurias schafft, sodass es eben kein Abklatsch der hundertsten „Priesterinnen von Avalon“-Geschichte ist, sondern neue Pfade beschreitet. Da ich mich ein wenig mit der Avalon-Thematik auskenne, waren damit verbundene auftauchende Begriffe kein Problem. Wie es Anderen ergeht, die damit noch gar nichts zu tun hatten, kann ich nicht einschätzen. Etwas schwieriger fand ich dann doch die ganzen Amaduria-eigenen Orte und Begriffe, da sie entweder so gebündelt kamen, dass ich nur schwer den Überblick behielt (vor allem da keine Karte da ist) oder so vereinzelt, dass mir der Zusammenhang fehlte. Aber wenn man einmal hinter das System mit den Toren ect. gestiegen ist, macht Amaduria eigentlich einen gut durchdachten und interessanten  Eindruck und bieten viel Platz für eine weitgreifende, stimmige Handlung.
Eine nicht ganz unwesentliche Bedeutung nimmt die Liebesgeschichte zwischen Esmé und Raven ein. Ich bin kein großer Fan von Liebesgeschichten und hatte arge Bedenken als ich Esmés erste Traumbegegnungen mit Raven las, denn die waren nahezu brechreizerregend kitschig. Ich finde es zwar schöner, wenn sich Liebe natürlich entwickelt und nicht nach dem „Ihr seid füreinander bestimmt und wenn ihr euch erst begegnet, werdet ihr unzertrennlich sein“-Schema abläuft, es hielt sich hier aber in ertragbaren Grenzen und auch wenn ab und an etwas schnulzige Szenen dazwischen waren, haben die Charaktere zum Glück nicht ganz ihren Verstand und das eigentliche Ziel aus dem Auge verloren. Und da sie natürlich zum Grundkonzept gehört ohne die Manches nicht so funktionieren hätte, war es in Ordnung. Bleibt zu hoffen, dass es in den folgenden Bänden nicht Hauptinhalt wird.
Einen Spannungsbogen habe ich zwar erkennen können, viele Stellen waren auch sehr interessant und gut konzipiert, dennoch hat es die Geschichte nicht geschafft, einen magischen Bann um mich zu weben. Für meinen Begriff war das Ende dann auch ziemlich schnell und etwas unspektakulär.
Und obwohl ich die Geschichte im Grundkonzept sehr gut fand, gab es doch hin und wieder Stellen, an denen ich die Handlungen der Charaktere absolut nicht nachvollziehen konnte, weil vergessen wurde zu erwähnen, warum sie es tun. Natürlich war mir klar, warum das Geschehen musste, aber es ergab oft keinen Sinn warum es jetzt gerade dieser Charakter war, der die Handlung vollzog. Ein oder zwei Sätze dazu und alles wäre stimmig gewesen, aber so war es unlogisch und verfälschte das Bild zu den Charakteren, was zum Teil ein wenig schade war.

Charaktere:
„Die Wächter von Avalon“ ist als auktorialer Erzähler verfasst, der zwar tatsächlich oft sehr nah an den beiden Protagonisten bleibt, aber auch nebenbei immer wieder kurz zu anderen Personen wechselt und ihre Gedanken erläutert, wobei man es sich bei Manchen auch hätte ersparen können, denn z.B. die Reaktionen und Gedanken von Esmés Eltern sind so typisch, dass man sie auch so ohne Weiteres hätte erraten können und sie auch nicht wirklich essentiell für die Geschichte sind. Aber das ist wohl persönlicher Geschmack.

Esmés Gedanken-und Gefühlswelt ist immer wieder ausführlich dargestellt, sodass man sie am besten kennenlernt… was allerdings auch zum Problem werden kann, wenn einem ausgerechnet sie völlig unsympathisch ist. Eigentlich habe ich überhaupt kein Problem mit eher etwas ruhigeren, nachdenklichen, ja auch melancholischen Charakteren, ich mag sie sogar lieber als sehr Aufgedrehte, aber je mehr ich über Esmé erfuhr bzw. vor allem je mehr sie handelte, desto deutlicher kam für mich nur eines herüber – ihr Egoismus. Nicht falsch verstehen, ich kann ihre Gefühle, die Einsamkeit, das Sich-Fremd-Fühlen, das Sehnen nach Antworten ect. wirklich sehr gut nachvollziehen, aber die Art und Weise wie sie an die Dinge heran geht und sich Anderen gegenüber verhält, ist mehr als egoistisch. Trotz ihrer ja plötzlich so geschärften Intuition für die Gefühle ihrer Mitmenschen, trampelt sie vor allem auf denen ihrer Familie gehörig herum und Themen sind auch nur solange interessant, wie sie erhoffen kann ihre Antworten dabei zu finden. Dass es für andere ebenso wichtig sein kann, ist anscheinend völlig egal.
Auch stört mich etwas, dass sie zwar erst die ganze Zeit auf Teufel komm raus alles daran setzt endlich dieses seltsame Gefühl zu verstehen und sich dann auch ein bisschen zu schnell, zu definiert sicher ist, dass es etwas Magisches sein muss, als sie dann aber ihre wahre Bestimmung erfährt und das ganze plötzlich Verantwortung mit sich bringt, sie eigentlich nur noch am Jammern und Zweifeln ist, dass sie nicht die Richtige sein kann und dass sie versagen wird. Auch tut sie wenig selber dafür, dass sich ihr wahres Ich nun offenbart, sondern muss eigentlich die ganze Zeit in die richtige Richtung geschubst werden.
Kurz um, denn ich könnte wohl noch weitere Seiten nur zu ihr füllen  – Esmé hat mich wirklich furchtbar genervt und ich war dankbar für jedes Kapitel, dass nicht sie als Haupthandelnde hatte. Aber ich hege große Hoffnungen, dass sie sich vielleicht nach ihrer Wandlung endlich mal zusammen reißt und in Band 2 sehr viel erträglicher wird.

Dagegen war mir tatsächlich der männliche Hauptcharakter Raven einmal ganz angenehm, da zwar immer wieder angedeutet wird, dass er wohl etwas Besonderes ist und eine Sonderstellung gegenüber seinen Geschwistern einnehmen wird, das auch weiß, aber es nicht heraushängen lässt, wie ich zunächst vermutete. Ich hoffe sehr stark, dass dies auch so bleibt.

Alle anderen Charaktere werden zwar nicht besonders intensiv vorgestellt, es reicht aber für ein erstes Kennenlernen und Abschätzen, wen man mag und wen nicht und ist für die Rahmenhandlung in diesem Ausmaß für meine Begriffe völlig ausreichend. Und ich muss sagen bis auf Esmé waren mir alle recht sympathisch und hoffe sie in den folgenden Bänden besser kennen zu lernen. Vor allem wäre es schön, wenn auch die weiblichen Charaktere nicht mehr ganz so schwächlich herüber kommen und aktiver ins Geschehen eingreifen würden. 

Fazit:
Auch wenn mich Band 1 der „Wächter von Avalon“ nicht vom Hocker gerissen hat, ist es doch eine solide und im Konzept gelungene Fantasygeschichte, deren Ausgang ich vor allem der Handlung wegen gerne weiter verfolgen werde. Potenzial hat das Buch auf jeden Fall, auch wenn es an manchen Stellen ein paar Stolpermenhire gibt ;)
 Vermutlich kann man sich auch wesentlich besser von der Geschichte fesseln lassen, wenn man die Protagonistin mag und das wird bestimmt einigen so gehen.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Auf jeden Fall natürlich allen High-Fantasy-Fans, denn auch wenn es zum Teil in der realen Welt spielt, liegt das Augenmerk doch eher auf Avalon und Amaduria. Man sollte auch kein absoluter Gegner von vorherbestimmten Liebesgeschichten sein, denn um die kommt man einfach nicht herum.   

Taja
von Nickypaulas Bücherwelt

Eine Videorezension folgt nach Abschluss 
der gesamten Reihe

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