Donnerstag, 2. Juni 2016

Die Wächter von Avalon Der Fluch des Suadus




~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Mit dem „Fluch des Suadus“, erschienen 2014 im familia Verlag, setzt Amanda Koch ihre „Wächter von Avalon“ Triologie fort.
Nachdem ich mit Buch 1 zum Teil sehr zu kämpfen hatte, gab es hier in den meisten Bereichen eine deutliche Steigerung und ließ sich sehr viel angenehmer lesen.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Nachdem Esmé nun endlich zu ihrer wahren Gestalt gefunden hat und Skarok besiegt ist, ist die größte Gefahr für die Wächter von Avalon zunächst einmal gebannt. Trotzdem kehrt damit nicht automatisch Frieden in ihrem Leben ein, denn die Kraft von Avalon schwindet zunehmend und so müssen sich die nun vollzähligen Wächter auf den Weg nach Amaduria machen, denn ein Ereignis aus der Vergangenheit scheint schwere Auswirkungen auf Amaduria sowie Avalon zu haben. Und so folgen die Geschwister einer alten Schriftrolle und einer Vision Evolets nach Juamé, wo das Schwert des Windes verwahrt wird.
Und auch Aylórien führt ihr Weg nach Amaduria, denn nun da die Tore sich öffnen folgen die Lichtelfen der Prophezeiung und kehren in ihr Land zurück.
Doch sie müssen feststellen, dass auch ihrer Lebensquelle Gefahr droht, denn die dunklen Schatten des Mondes werden immer stärker und wirken sich auf ganz Amaduria aus. Aylórien muss ihrer Bestimmung folgen um einem Geheimnis aus alter Zeit auf die Spur zu kommen, das auch für die Wächter von großer Bedeutung ist. Kann sie die Kraft der smaragdgrünen Sonne wieder in Amaduria erstrahlen lassen?

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Das Cover ist im Grundaufbau dem des ersten Bandes sehr ähnlich, dieses Mal aber in Grau und Dunkelblau gehalten, was ganz gut zur allgemein etwas angeschlagenen Lage in Amaduria passt, bzw. sicherlich Evolets saphierblaue Augen wiederspiegelt soll, die in diesem Band doch eine etwas größere Rolle einnehmen, genau wie die Wächterin selber, weshalb sie, gekleidet in einer Rüstung mit dem Symbol der Wächter, auch gleich das Cover ziert. Ihr Blick ist auf den männlichen Kopf auf der linken Seite des Bildes gerichtet, verrät eine Spur Angst, aber auch noch etwas recht Undeutbares, was ich sehr gut finde, denn allein vom Cover hab ich nicht mit dem späteren Verlauf der Geschichte gerechnet. Rechts unten ist der Ansatz einer turmreichen Stadt zu sehen, wobei ich hier nicht recht weiß ob es sich hierbei um Vadan oder Dembaal handelt, denn beide habe ich mir etwas anders vorgestellt, was dem Bild an sich aber keinen Abbruch tut, denn sie sieht auf jeden Fall sehr interessant aus und lässt Vorfreude auf das Erkunden von Amaduria aufkeimen.
Im Hintergrund ist im Torbogen dieses Mal der Feuervogel unter einer Triskele dargestellt, das Zeichen der Wächter, welches auch in diesem Band noch einmal verstärkt an Bedeutung gewinnt.
Alles in allem ist dieses Cover wie sein Vorgänger sehr schön, interessant und informativ, ohne dabei zu viel zu verraten.
Im Innenteil befindet sich dann zum Glück die schon in Band 1 herbeigesehnte Karte, ohne die ich dieses Mal wirklich die Orientierung verloren hätte, denn es spielen sehr viele Orte und Namen eine Rolle, die sonst vermutlich immer wieder zwischendrin völlig in Vergessenheit geraten wären, hätte ich sie nicht in örtlichen Bezug setzen können.
Die zweite Karte am Schluss des Buches hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen, da ich mir die Position des Grenzlandes auch so ganz gut vorstellen konnte, stört aber auch nicht.
Die Zusatzinformationen wie die Runenabbildungen und vor allem die Chronik ist sehr hilfreich, da ja doch Ereignisse aus verschiedenen Epochen eine Rolle spielen, die miteinander in Verbindung stehen und man alles noch einmal Revue passieren lassen kann, wenn es während des Buches vielleicht nicht ganz klar herüber gekommen sein sollte.
Klappen – und Rückentext sind wie beim Vorgänger wieder sehr gut gestaltet und machen neugierig.   

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~

Schreibstil:
Während Amanda Kochs Schreibstil im Vorgänger zum Teil recht inkonsequent von sehr malerisch zu plötzlich sehr nüchtern schwankte, ist er hier weitaus ausgeglichener, da er viel erzählender ist und die sonst zum Teil etwas holprigen Gespräche eher etwas zurücktreten, sodass man sich voll auf das in den meisten Fällen sehr detailliert beschriebene Amaduria konzentrieren kann.
Der Umbruch vom malerisch-erzählenden zu einem etwas schnelleren Schreibstil um die Spannung zu erhöhen ist in Band 2 auch deutlich besser gelungen, hat trotzdem aber noch Luft nach oben, denn wirklich mitgefiebert habe ich nur an sehr wenigen Stellen.
Die größte Verbesserung hat sich für mich allerdings darin ergeben, dass Perspektivenwechsel innerhalb einer Szene nun viel besser übergeleitet werden und man nicht mehr über Szenen stolpert, wo mal eben jemand von einer Sekunde auf die nächste weg ist.
   
Aufbau und Storykonzept:
Genau wie Band 1 ist die Fortsetzung auch wieder in größere Kapitel gegliedert und innerhalb in unterschiedlich vielen kleineren Abschnitten, die zumeist mit einem Personen- oder Szenenwechsel einhergehen. Da dies nun auch optisch deutlich besser gegliedert ist, erhält sich der Lesefluss wesentlich besser, weil man sich einfach darauf einstellen kann, dass gleich etwas Neues kommt.
Zusätzlich gibt es noch Epi- und Prolog, wobei ich sagen muss, dass sich die Autorin gerade mit dem Epilog ins eigene Fleisch geschnitten hat, denn es passiert darin leider etwas Unschönes mit einem Charakter den man erst später kennen lernt und der mir eigentlich sehr gefallen hätte. Da ich aber schon von Anfang an wusste, was ihm widerfahren wird, habe ich gleich gar keine Beziehung zu ihm aufgebaut, was mir viele Momente sehr ernüchtert hat, die sonst sicher viel schöner gewesen wären. Vielleicht war dies auch beabsichtigt, damit man es Esmé nicht ganz so übel nimmt, denn immerhin ist sie für dessen Unglück verantwortlich, ist bei mir allerdings genau ins Gegenteil umgeschlagen. Hätte sie dieses eine Detail nicht erwähnt, hätte der Epilog durchaus eher für Neugierde sorgen könne, so hat er aber meinen Prass auf Esmé nur verstärkt.

Generell gibt es dieses Mal auch wieder verschiedene Handlungsstränge, die gut voneinander getrennt und doch letztendlich miteinander verwoben sind, da viele Dinge aus der Vergangenheit eine Rolle spielen, die sowohl Auswirkungen auf die jetzige Situation haben, als auch bereits in Band geschehene Dinge noch einmal näher oder anders beleuchten. Hier beweist die Autorin, dass sie sich viel Mühe mit der Erschaffung des Gesamtkonzeptes von Amaduria/Avalon/irdischer Welt gegeben hat und die ganze Geschichte auch wirklich Hand und Fuß hat, was ihr hoch anzurechnen ist, denn viele Stränge geschickt zu verweben, vermag weiß die Göttin nun wirklich nicht jeder Autor.
Amadurias Grundlage auf dem Gleichgewicht der Elemente und den Bezug zu den Reichen ist zwar nicht so neu, aber doch sehr interessant gestaltet. Allerdings hatte ich das System auch schon nach dem ersten Mal begriffen und für mich zog sich dann jede weitere Erläuterung und Erwähnung über das Gleichgewicht der Elemente wie Kaugummi und ich hatte das Gefühl es dreht sich grade alles im Kreis.
Ziemlich viel Zeit verbringen die Charaktere dieses Mal auch mit Reisen, was ich persönlich sehr schön finde, denn so lernt man Amaduria mit ihnen kennen, was für mich den größten Reiz an diesem Band dargestellt hat.
Verhältnismäßig klein fällt dann wieder der Teil des Zusammentreffens mit dem „Hauptgegner“ aus, was ich ein bisschen schade fand, denn Suadus an sich schien kein uninteressanter Antagonist und gerade sein Zwiespalt zum Schluss hätte ich mir noch ausführlicher gewünscht, denn so macht es für mich ein Teil seiner Handlung keinen Sinn. Außerdem hätte es noch anderweitig Potenzial für eine unerwartete Entwicklung gehabt.
Und leider begannen die Geschwister in einer Sache wieder so zu handeln, dass ich mir dachte gerade naive Kleinkinder vor mir zu haben und nicht mächtige Wächter von Avalon, was mir ein bisschen das inzwischen aufgebaute Bild von ihnen ruinierte.
Einen Punkt den ich Amanda Koch wirklich zu Gute halten muss, ist allerdings, dass sich die Liebesgeschichte von Raven und Esmé nicht wie erwartet sehr kitschig gestaltet, sondern tatsächlich eines bestimmten Faktes zu Grunde, sehr nüchtern und eher im Hintergrund bleibt, was ein wenig überraschend, aber mehr als angenehm war. Somit ist auch die Möglichkeit gegeben beide eigene Wege gehen zu lassen, ohne das Esmé wie das fünfte Rad am Wagen an den Wächtern klebt. Ich hoffe inständig, dass dies auch in Band 3 beibehalten wird, wobei der Epilog Böses erahnen lässt.

Charaktere:
Nach meinen Schwierigkeiten Mit Esmés Charakter im ersten Band, hatte ich große Hoffnungen, dass sie nach ihrer Wandlung nun sympathischer werden würde, aber leider blieb sie für mich genauso rücksichtslos und egoistisch wie eh und je. Und auch der angedeutete Handlungsstrang für Band 3 geht in eine Richtung, der daran vermutlich nichts ändern wird. Und obwohl sie hier im Grunde allein ihrem Weg folgt und sich der Gefahr aussetzt, finde ich sie als Charakter ziemlich schwach, denn sie besitzt in meinen Augen wenig Selbstantrieb, wenn es nicht gerade um Raven geht, und vor allem wenig innere Stärke, sondern jammert viel rum und verlässt sich zu oft auf die Hilfe anderer.
Außerdem fand ich es äußerst schade, dass sie nicht mal einen einzigen Gedanken für ihre Familie übrig hatte, es fast so war als hätten diese nie existiert, und es erst wieder um ihr menschliches Leben ging, als ihr plötzlich klar wird, dass es auch Vorteile hatte. Natürlich hatte sie nie wirklich einen Bezug zu ihnen, aber dennoch haben sie sie 18 Jahre behütet, waren aber nur Mittel zum Zweck.
Durch meine innerliche Abwehrhaltung ihr gegenüber ließen mich auch viele vielleicht für andere dramatische oder spannende Szenen völlig kalt und ich war einfach nur froh wenn es wieder um jemand anderen ging, was zum Glück oft der Fall war.
Auch Ravens Sympathieranking nahm leider innerhalb des Bandes stetig ab, denn ein sehr unschöner Charakterzug kommt immer mehr durch und wenn er sich in Band 3 weiter in diese Richtung entwickelt, sind die Beiden wirklich die besten Kandidaten für den Award für das unsympathischste Traumpaar.
Dafür hat sich eine andere Hoffnung erfüllt und meine beiden bisherigen Lieblingspersonen Evolet und Nagaina gewannen deutlich an Bedeutung und auch Charakter, sodass ich versöhnt war. Trotzdem muss ich bemängeln, dass alle Mädchen im Vergleich zu den drei anscheinend absolut furchtlosen und alles könnenden Jungs, die meiste Zeit furchtbar schwach und hilflos erscheinen.
Leider fehlt mir auch bei allen Charakteren, die eine Entwicklung durchmachen, das konkrete Miterleben ihrer Wandlung, der Moment der Erkenntnis, ein Ereignis aus dem sie gestärkt hervorgehen, weil es etwas in ihnen bewegt hat. Dabei gab es einige Szenen, die sich dafür sehr gut geeignet hätten, aber dann meist einfach nur jemand/etwas anderer/s aufgetaucht ist, der ihnen Stärke oder Mut gegeben hat und dann merkten plötzlich die Charaktere in der Umgebung, dass der Betreffende sich verändert hat. Gerade bei Evolet gab es so einige verschenkte Momente, wo ich gern miterlebt hätte wie sie „erwacht“, um mich ihr noch näher zu fühlen, aber das Mitfiebern blieb leider aus.
Etwas Schade fand ich auch die Rolle die Quinlan in diesem Buch zugefallen ist, vor allem aber, dass es im Grunde dann so schnell abgehakt wurde. Ich hoffe ganz inständig, dass es weitgreifendere Auswirkungen hat, ansonsten fand ich es zu dramatisch für den lapidaren Lerneffekt den es letztendlich hier hatte.
Die Amaduria eigenen Charaktere und Kreaturen waren zum Großteil sehr fantasievoll und liebevoll beschrieben, manchmal fehlt es dabei aber etwas an Detail bzw. gerade bei Tieren wird manchmal der hilfreiche Vergleich zum realen Pendant was Körperbau ect. angeht vergessen, sodass man sie sich wirklich exakt vorstellen kann. Denn sie haben alle eigene Namen, wiesen aber in ihrer Beschreibung doch Ähnlichkeiten mit bereits existierenden Fabel – oder realen Wesen auf, ich mir aber gerade bei den Arganù war ich mir nicht sicher, ob es sich hierbei nur um anders benannte Einhörner handelte.
Sehr interessant gestaltet waren auf jeden Fall die beiden Göttinnen, die ich beide auch vom Charakter mochte.

Fazit:
Trotz der deutlichen Steigerung zum ersten Teil und einer sehr schönen Fantasiewelt, konnte mich auch Band 2 nicht ganz fesseln, es fehlte einfach der letzte Funke, was aber wahrscheinlich zum Großteil daran liegt, dass ich überhaupt nicht mit Esmé/Aylórien klar komme. Aber allein um die anderen Charaktere und Amaduria besser kennen zu lernen, hat sich das Weiterlesen durchaus gelohnt. Und da mich Amanda Koch mit nicht eintretenden Befürchtungen aus Band 1 bereits überrascht hat, freue ich mich nun auch auf den Abschluss der Triologie.
 
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Der Fluch des Suadus“ ist nun wirklich reine High-Fantasy, da er sich nur in Amaduria und Avalon abspielt. Wer Lust hat eine fantasievolle Welt mit Geheimnissen und durchaus überraschenden Wendungen zu erforschen, ist hier sehr gut aufgehoben. Auf jeden Fall sollte man Band 1 vorher gelesen haben, sonst wird man schwer in die Geschichte finden, da doch sehr viel miteinander verknüpft ist und eine Vielzahl Charaktere vorkommen.    

Taja
von Nickypaulas Bücherwelt

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