Freitag, 29. Juli 2016

Die Kunst des Schnurrens David Michie



 ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Die Katze des Dalai Lama“ kehrt auf leisen Pfoten zurück um im zweiten Teil (erschienen Herbst 2015 beim Lotos-Verlag) „Die Kunst des Schnurrens“ zu erforschen und den Leser erneut auf einen leicht verständlichen und amüsanten Spaziergang in die Welt der buddhistischen Weisheiten mitzunehmen - mit dem Ziel das wahre Glück zu finden.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
 Der Dalai Lama ist für längere Zeit verreist, doch das heißt nicht, dass seine kleine Schneelöwin nur faul auf ihrem Lieblingsplatz liegt und sich hofieren lässt – nun ja zumindest nicht die ganze Zeit. Zumindest regelmäßige Besuche in ihrem Lieblingscafé müssen sein, um sich die Zeit ohne ihre Heiligkeit zu vertreiben. Dabei trifft die KSH (Katze seiner Heiligkeit) eines Tages eine scheinbar banale Entscheidung, die ausschlaggebend für eine Reihe Veränderungen und Erkenntnissen, nicht nur in ihrem Leben ist.
Besonders Serena, der vorrübergehenden Leiterin des Himlaya-Buchcafés, kommt sie auf besondere Weise näher und wird zu ihrer, manchmal heimlichen, Wegbegleiterin. Dabei lernt sie jede Menge neuer Leute kennen und gerät in so manch kleines Abenteuer. Doch vor allem eins scheint allgegenwärtig: die Suche nach dem wahren Glück.
Aber wo es eine philosophische Frage gibt, gibt es auch viele Antworten und so erfährt die KSH viele erstaunliche Dinge über das Glück, die auch ihre Sicht auf viele Situationen prägen.
Tatze für Tatze kommt sie somit ihrem Auftrag „die Kunst des Schnurrens“ zu erforschen näher.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
 Auch das Cover des zweiten Bandes ziert wieder eine wunderschöne Himalaya-Katze, bei deren friedlich schlummernden Antlitz man sich am liebsten dazulegen und von ihrer schnurrenden Weisheit durchströmen lassen möchte. Wie auch beim Vorgänger, ist der Rest des Covers sowie die innere Gestaltung dagegen sehr schlicht gehalten, sodass die Katze ganz wie im Buch selbst als Protagonistin im Fokus liegt. Einziges Manko – die Katze auf Band zwei sieht der des ersten Covers wegen der viel helleren Gesichtsmaske nicht wirklich ähnlich. Wer sich also bereits anhand des ersten Fotos ein inneres Fixbild der KSH gemacht hat, wird vielleicht etwas irritiert sein.
Die Klappentexte sind recht knapp gehalten und verraten nicht viel über die eigentlichen Erlebnisse der Katze des Dalai Lamas, was ich persönlich sehr gut finde, denn es geht im Grunde auch nicht darum was passiert, sondern wie und wozu es führt, demnach ist die Erwähnung von Einzelereignissen in meinen Augen auch nicht wichtig. Trotzdem sind die Texte ansprechend und mit einer Portion Humor gewürzt, sodass sie neugierig machen und wahrscheinlich auch Leser ansprechen, die den ersten Teil noch nicht kennen.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Vom ersten Teil restlos begeistert, freute ich mich auf ein Wiedersehen mit der KSH und anderen liebgewonnenen Charakteren. Zwar wurde bereits im Prolog klar, dass der Dalai Lama selbst dieses Mal auf Grund seiner Reise wohl keine große Rolle spielen würde, dennoch war ich gespannt darauf mit welchen spirituellen und weltlichen Erfahrungen seine kleine Schneelöwin wohl konfrontiert werden würde. Ich zog mir also erneut ihr Fell über, um diese geheimnisvolle und doch inzwischen so vertraute Welt aus ihren himmelblauen Augen zu ergründen – und war nach dem ersten Kapitel zunächst verwirrt und dann enttäuscht. Denn ich hatte fest damit gerechnet, dass es praktisch nahtlos vom ersten Band weiter gehen würde, denn es stand ein wichtiges Ereignis im Leben der KSH an und das wollte ich auf keinen Fall verpassen. Doch es wurde zunächst kein Wort darüber verloren, sodass ich schon dachte, versehentlich doch den dritten Teil erwischt zu haben, und dann kam es endlich doch im zweiten Kapitel… und wurde nur grob als Rückblick umrissen. Ich war zwar keines Falls geneigt das Buch zur Seite zu legen, denn immerhin war die Geschichte trotzdem interessant und super geschrieben wie der Vorgänger, dennoch dämpfte es gewaltig meine Lesefreude.
Und dann traf ich auf in einem weiteren Kapitel auf eine der Kernbotschaften dieses Buches, nämlich, dass man meist selbst der Schmied seines Unglücks ist, weil man sein Glück von einer bestimmten Sache oder Begebenheit abhängig macht, und musste beschämt erkennen, dass ich ebenso in diese Falle getappt war und für meine bisherige Enttäuschung mit der Führung der Geschichte gänzlich selbst verantwortlich war. Ich hatte mich auf einen bestimmten Punkt fixiert und meine Erwartung des Glücks damit verknüpft, sodass ich zwangsläufig enttäuscht werden musste. Und so beschloss ich den verklemmten Fellball falscher Erwartungen auszuwürgen und das Buch noch einmal völlig unvoreingenommen zu betrachten. Und siehe da, plötzlich empfand ich das Fehlen der exakten Ereignisse nicht als Manko, sondern ich musste sogar einsehen, dass sie so und in keinem anderen Umfang gut für die Geschichte war.  
Ob nun Zufall oder kluger Schachzug des Autors, pardon der eigentlichen befellten Autorin, ich habe die Botschaft des Buches noch während des Lesens am eigenen Leib erfahren, was zugleich seltsam wie erleuchtend war.

Auf der Suche nach den Ursachen des wahren Glücks und der Ergründung des Schnurrens lernt die schönste Kreatur auf Erden natürlich so einige Dinge, obwohl es doch verstärkt um dieses Thema ging und somit etwas tiefer ging als es im ersten Band möglich war. Ich fand es weiterhin sehr gut, dass dieses Mal auch viel aus der wissenschaftlichen Perspektive mit einbezogen wurde und die Verbindung mit spirituellen Ansichten nahezu spielerisch leicht geschaffen wurde, was vielleicht dem ein oder anderen der sich mit diesen Themen etwas schwer tut, helfen könnte sich darauf einzulassen oder zumindest den Geist ein Stück weiter zu öffnen als bisher.
Und da muss ich mich einschließen, denn z.B. Yoga habe ich immer etwas belächelt und es nicht wirklich als Sport anerkannt. Aber auch hier hat mich die KSH eines besseren belehrt und ich kann nun eher verstehen, worum es eigentlich geht.

Obwohl ich bei diesem Thema nicht sehr empfindlich bin, war ich doch etwas überrascht wie fast schon nebenher das Thema Tod aufgegriffen wurde, denn aus einem Schicksalsschlag, der mich auch als Leser getroffen hat, da er völlig unvorhersehbar kam, wurde kein Drama wie in den meisten Büchern gemacht, sondern das Leben ging trotz Trauer einfach weiter. Im ersten Moment war dies vielleicht etwas verstörend, doch je länger man es auf sich wirken lässt, desto mehr versteht man, dass es in der Realität eben genauso ist. Egal wie groß der Verlust auch sein möge, das Leben geht weiter und wird sich barmherzig zeigen, wenn man sich nicht vor ihm verschließt.

Vom Schreibstil und dem Aufbau weisen beide Teile zum Glück große Ähnlichkeiten auf, denn den feinen Humor und die Spur Selbstironie der KSH möchte ich nicht missen, obwohl es zum Teil hier durch die Ereignisse ein wenig ernster zuging.
Was  allerdings die Sache mit den zahlreichen Fremdwörtern, die meist ohne Erklärung auftauchen, betrifft, so muss ich leider die Hoffnungen der Leser zerstören, die dachten, es wird in Band zwei vielleicht besser. Nein, es wird eigentlich noch schlimmer – ohne wirklich schlimm zu sein.
 Das einzige was man tun muss, um ohne ausgefallenen Wortschatz ein ungetrübtes Lesevergnügen zu haben, ist die Fremdwörter einfach zu ignorieren. Denn auch hier habe ich einen wichtigen Grundsatz anwenden können und begriffen, dass das Glück mit diesem Buch nicht davon abhängt, dass man jedes Wort versteht, sondern die Botschaften und die sind poetisch und doch klar verfasst, dass man sie eigentlich nicht verfehlen kann. Natürlich kann man auch jedes Wort nachschlagen und das Erfolgserlebnis des „Enträtseln“ genießen, doch wenn man die Worte im Ganzen durchdringt, wird das Verstehen ein Tieferes sein. 

Und wer sich die Bücher nur für die Begegnung mit Prominenten zu gelegt hat, der wird im zweiten Band noch mehr enttäuscht, denn sie spielen eine noch untergeordnetere Rolle als im Vorgänger. Natürlich taucht der ein oder andere auf und man erlebt sie meist von einer anderen Seite, aber auf ihre Prominenz wird keine Gewichtung gelegt und Stoff für Klatsch bieten die Episoden auch nicht.
Der Fokus liegt eher auf altbekannten und neuen, mehr oder weniger „normalen“ menschlichen Gefährten der KSH, die allesamt auf ihre Art und Weise speziell beleuchtet und trotz der relativ wenigen Seiten doch erstaunlich liebevoll in Szene gesetzt werden, sodass man bereits im zweiten Teil das Gefühl hat man träfe alte Freunde wieder.

Fazit:
Wer den ersten Band mochte, wird auch am Nachfolger seine Freude und bestimmt auch die ein oder andere hilfreiche Lektion finden. Uns Menschen liegt das Schnurren zwar eher fern und dennoch ist das Buch eine reiche Quelle an Anregungen auf der Suche nach dem ganz eigenen Glück.  
Teil drei steht auf jeden Fall auf der „Unbedingt-Lesen“- Liste.

 
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
 Wie auch schon der erste Teil ist auch „Die Kunst des Schnurrens“ etwas für jeden, denn entweder nimmt man sich einfach süße und lustige Katzengeschichten mit oder im Bestfall Weisheiten und Einsichten, die einem im Leben vielleicht hilfreich zur Pfote gehen können. Vor allem aber wäre es sehr lohnenswert für Menschen, die gerade am Scheideweg stehen und herausfinden möchten, was sie wirklich glücklich macht.

Taja
von Nickypaulas Bücherwelt

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