Freitag, 17. März 2017

Die Prophezeiung der Hawkweed



~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Irena Brignull, die sich bisher eher als Drehbuchautorin (Boxtrolls, Little Prince) und Dramaturgin (Shakespeare in Love, Bravo Two Zero) einen Namen gemacht hat, veröffentlichte 2016 in England mit „Die Prophezeiung der Hawkweed“ ihren ersten Roman, der seit dem 16.3.2017 auch in der deutschen Übersetzung erhältlich ist. Dieses in meinen Augen sehr gelungene Erstlingswerk erhält glücklicherweise sogar bereits Mai diesen Jahres die Fortsetzung in Originalsprache.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Zwei Mädchen – zwei Welten – eine Prophezeiung.
Durch den Zauber einer machtbesessenen, rachsüchtigen Hexe werden die beiden Mädchen Poppy und Ember im Moment ihrer Geburt vertauscht und leben unwissend 17 Jahre lang das Leben der jeweils anderen.
Die Eine, in der uns bekannten „normalen“ Gesellschaft, die andere versteckt im Wald inmitten eines altehrwürdigen Hexenclans und ahnungslos von der gefährlichen Welt der „Unwerten“. Eines haben die beiden unterschiedlichen Mädchen allerdings von Anfang an gemeinsam: Sie sind Puzzleteile, die sich so gar nicht in das Gefüge ihrer Umwelt zu passen scheinen – kurz die geborenen Außenseiterinnen.
Während Ember verzweifelt versucht Zauber zu wirken und Tiere zu befehligen, passieren in Poppys Gegenwart ständig seltsame Dinge, die sie und ihren alleinerziehenden Vater mehrfach zum Umzug durch das ganze Land zwingen. So verschlägt es die beiden in die Stadt, in deren Nähe Ember und ihr Hexenzirkel leben. Und wie der Zufall es will, kommt es zu einer Begegnung der sonderbaren Mädchen, die ihrer beiden Leben völlig auf den Kopf stellt. Während Ember fasziniert jedes Detail der ihr fremden Welt aufsaugt, die ihr ihre neue Freundin eröffnet, ergibt für Poppy bald alles einen Sinn, als sie Einblick in die Welt der Hexerei erhält.
Und auch die Bekanntschaft mit dem obdachlosen Jungen Leo bringt einiges durcheinander.
Doch bevor Poppy und Ember ihren rechtmäßigen Platz im Leben finden, gilt es einige Gefahren zu überstehen, denn natürlich durchkreuzen die beiden damit unwissentlich den Plan der machthungrigen Hexe, die alles daran setzt das „Die Prophezeiung der Hawkweed“ sich in ihrem Sinne erfüllt.


~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Im Großen und Ganzen ist das Cover für die Zielgruppe Mädchen und junge Frauen vermutlich recht ansprechend. Der ganze Hintergrund ist in einem farbverlaufenden Fliederton gehalten und verziert mit düsteren Ranken und Ästen, auf denen sich Spinnennetze samt Spinnen und ein paar Blüten nebst Blättern tummeln.
Auf der Vorderseite ist ein Mädchen mit geschlossenen Augen und langen, schwarzen, zu Berge stehenden Haaren zu sehen, die sich in das Gestrüpp nahtlos einfügen und weiter reichlich geschmückt sind mit Sternen, Blättern und sogar einer Schlange, die sich aus ihnen windet.
Autorenname und Buchtitel sind mit heller Schrift auf die dunkle Mähne platziert und heben sich daher gut ab.
Soviel zur Gestaltung des Einbandes. Nun muss ich aber gestehen, dass ich nicht wirklich weiß, wer das Mädchen auf dem Cover sein soll, denn Protagonistin Poppy hat kurzes Haar, Ember wiederum Blondes. Die Spinnen, Ranken und Blumen beziehe ich auf die Verbindung der Hexen mit der Natur, was Schlange und Sterne auf dem Cover für eine Bedeutung haben? Ich weiß es nicht XD
Es würde mich in dieser Form im Buchladen auch gar nicht ansprechen, da es optisch mehr auf eine Teenie-Love-Story hindeutet. Selbst in Bezug auf die gewählte Schriftart des Titels finde ich das ganze Gesamtkonzept nicht besonders passend zum Buchinhalt, aber das ist mein persönlicher Geschmack ;)
Ich hätte mir etwas Mystischeres gewünscht, das vielleicht ein paar Elemente der Prophezeiung aufgegriffen hätte… einen stolzen Raben, eine antikere Aufmachung des Covers… irgendetwas, dass das Thema Hexen und Magie einfach mehr aufgreift und sich vielleicht nicht so ganz unauffällig in die Buchregale einreiht.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schreibstil:
Wie schon erwähnt, ist dieser Roman das Erstlingswerk der Autorin, welche in der Vergangenheit ihre Talente zum Schreiben von Drehbüchern genutzt hat – und das merkt man im positiven Sinne sehr deutlich! :)
Durch das regelmäßige, manchmal auch recht spontane und überraschende Wechseln der Erzählerperspektive erfährt man sehr viel über die Gefühlswelt der einzelnen Figuren oder erlebt eine Situation aus zwei völlig verschiedenen Blickwinkeln, ohne am Ende verwirrt oder gelangweilt zu sein.
Zudem passt sich die Autorin auch immer sehr schön an die sprachlichen Fähigkeiten und Ausdrucksweisen der Protagonisten an.
Ich konnte mich durch Irenas Schreibstil wunderbar in die Wälder und Kleinstädte Englands entführen lassen und habe das Lesen sehr genossen ;)

Story:
Das Buch beginnt mit einem Prolog der Lust auf mehr macht ;) – man erfährt quasi gleich zu Beginn, wer für den Tausch der neugeborenen Mädchen verantwortlich ist und warum… schon hier zeichnet sich ab, dass die Welt nicht immer fair ist und viele Menschen für Macht und Ansehen so ziemlich alles machen würden… Wer sich lieber überraschen lassen möchte, wer die Fäden im Hintergrund spinnt, sollte den Prolog vielleicht lieber weglassen, mir hat es aber nichts von der Spannung genommen. 
Nicht ganz so düster, aber auch nicht wirklich fröhlich, geht es mit Poppys ersten Erfahrungen in der neuen Stadt weiter, bei denen Lebensumstände, Familienbande und ihre generellen Charakterzüge erklärt werden.
Sie ist der Dreh- und Angelpunkt für alle folgenden Handlungsstränge.
Ember wiederrum ist die Verknüpfung zum Hexenclan und so erfährt man durch sie alles über das Alltagsleben der Gemeinschaft, die Hierarchie des Zirkels und die Fähigkeiten der dort lebenden Hexen.
Dann wurde ich allerdings neben der sich zwischen den beiden Mädchen entwickelnden tollen Freundschaft, auch noch mit einer Liebesstory konfrontiert, die ich anfangs eigentlich auf Grund des ungewöhnlich sympathischen männlichen Protagonisten ganz angenehm empfand, die mir im Verlauf der Story immer mehr auf die Nerven ging,  
da ich das ganze Theater um ihn einfach nicht so ganz nachvollziehen konnte… und am wenigsten seine eigene Handlungsweise in Bezug auf seine Gefühle. Vermutlich ist aber auch das meinem Jahrgang und eigenen Liebeserfahrungen zu zuschreiben und heutzutage ist es eben so kompliziert XD
Viel spannender fand ich da die Konflikte der Hexen, Poppys Fortschritte in der Hexenkunst und all die Probleme auf die die einzelnen Charaktere stoßen und lösen müssen ;)
Dennoch hoffe ich, dass das Liebeswirrwahr eine tiefere Bedeutung für die kommenden Bände bereithält. Überhaupt bin ich sehr gespannt, was sich im Leben der drei Hauptfiguren nach diesem für mich nicht ganz so befriedigendem Ende passieren wird.

Charaktere:
Im Allgemeinen fand ich alle Figuren sehr gut konzipiert und wenig klischeebehaftet, zudem hat die Autorin ihren Protagonisten einen großzügigen Freiraum zur Charakterentwicklung eingeräumt, der auch für mich so manche Überraschung bereithielt.
Es gab keine nur unschuldigen oder rein boshaften Charaktere, jeder hat gute und schlechte Seiten und genau das hat Irena Brignull wunderbar und überzeugend rübergebracht ;)
Es gab ein ständiges Auf und Ab der Gefühle - Rache wurde geübt, Angst gesät, Hoffnung zerstört, Liebe entdeckt, Freundschaften geknüpft, Vergangenes wiedergutgemacht.
Jede Figur wird intensiv beleuchtet und ihre Motive waren zum Großteil schlüssig und nachvollziehbar.
Dennoch gab es besonders einen Punkt, der mich massiv gestört hat, da ich einfach etwas anderes erwartet habe: das gewählte Alter der Protagonisten fühlte sich völlig falsch an.
Weder Poppy noch Ember hatten für mich die Reife, Ausstrahlung und Verhaltensweisen von 17 jährigen Mädchen… Egal ob früher oder heut, Außenseiterinnen hin oder her… ihr wirkliches Alter würde ich zwischen 13, maximal 15 Jahren ansiedeln, ebenso Poppys Mitschüler, Sorrel und auch Leo waren für mich wesentlich jünger.
Vermutlich stehe ich mit dieser Kritik nicht ganz allein da und leider hat es eben aus diesem Grund meine Erwartungen auch nicht ganz so erfüllen können.

Fazit:
Trotz meiner kleinen Kritikpunkte habe ich dieses Buch sehr gemocht und freue mich schon auf den zweiten Band! :)
Denn was diese Geschichte auch sehr besonders macht, ist die Tatsache, dass man viel über traditionelle Hexen und ihre Geschichte lernt und nicht mit schlecht inszenierten Liebeszaubertränken und modernen Möchtegern-Pop-Hexen gequält wird.
Man bekommt eine schöne Mischung aus Action, Dramatik, Humor und Geschichte geboten und ja… es gab auch eine Stelle, an der ich das Buch zur Seite gelegt habe und eine Packung Taschentücher brauchte, um mich wieder zu beruhigen :(
Eben weil nicht alle Dinge ein gutes Ende nehmen und es Opfer geben wird…
Leider hat das für mich zu Friede-Freude-Eierkuchen-mässige Ende ein wenig den davor so realistisch wirkenden Eindruck zerstört, sodass ich insgesamt von 5 Sternen nur 4 vergeben möchte und einfach darauf hoffe, dass in den folgenden Bänden eine Auflösung oder radikale Veränderung den Aha!-Effekt bei mir auslöst ;)
 
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Auf jeden Fall sollten Leser, die sich für Hexen und Wicca im Allgemeinen interessieren im Laden nach diesem Buch greifen ;)
Ich denke, dass als Zielgruppe eher Mädchen und junge Frauen ab dem Alter 12 aufwärts in Frage kommen.
Man sollte sich aber dennoch bewusst sein, dass es auch einige düstere Kapitel gibt und ein paar Charakterzüge psychologisch vielleicht Jugendlichen ab 14 Jahren aufwärts verständlicher sind, aber das ist reine Ansichtssache.
Ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben :3!!

Copperbat
von Nickypaulas Bücherwelt




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