Sonntag, 30. April 2017

Legendtopia – Im Bann der Zauberin

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Vorweg ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Legendtopia“ - im Bann der Zauberin ist die mittlerweile zweite Kinderbuchserie des amerikanischen Autors Lee Bacon. In Deutschland wird die temporeiche Fantasy-Geschichte ab dem 27.04.2017 (Band 1, Band 2 im Frühjahr 2018) in zwei Bänden erscheinen. Die Altersempfehlung liegt bei 10 Jahren aufwärts.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Inhalt des Buches ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Eigentlich hat die 12-jährige Kara mit Rittern, Drachen, Zauberern und fernen Königreichen so gar nichts am Hut, deswegen hält sich ihre Begeisterung über den Klassenausflug in das Fantasy-thematisierende Restaurant „Legendtopia“ sehr in Grenzen. Nicht nur die lieblos wirkende Inneneinrichtung und billigen Effekte lassen ihre Laune immer weiter sinken, als eine Kellnerin ihr versehentlich ihre Lieblingskette vom Hals reißt, die sich in deren Kostüm verfängt, ist es völlig vorbei.
  Natürlich eilt Kara zur Rettung ihres Schmuckstücks und endet dabei versehentlich in einer richtigen Fantasy-Märchenwelt, in der sie auf eine machtgierige, gefährliche Zauberin, die schon seit vielen Jahren versucht in die uns bekannte Welt zu gelangen, und auf den verhätschelten, aber abenteuerlustigen Prinz Fred trifft, welche ihr beide durch das Tor zurück ins Restaurant folgen und ein riesiges Chaos verursachen.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Cover, Bilder und Gestaltung ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
„Legendtopia“ ist auf den ersten Blick recht eindeutig als Kinderbuch einordbar. Die Schriftart des Buchtitels wirkt poppig und comichaft, während der Untertitel eine klassische Fantasy-Note aufweist. Auf dem Cover sehen wir das Innere des begehbaren Kühlschranks und die beiden kampfbereiten Protagonisten Prinz Fred und Kara, welche sich der lauernden Silhouette der bösen Zauberin entgegenstellen.
Eine hübsche Illustration, die mich allerdings etwas fehlgeleitet hat, denn man bekommt den typischen Eindruck des mutigen Prinzen und der zu beschützenden Maid in Nöten ;)
Aber weit gefehlt! Kara ist ein mutiges und schlagfertiges, sich in Jeanshosen durch die Gefahren kämpfendes Mädchen mit einer guten Portion Sarkasmus und einem scharfen Verstand.
Prinz Fred hingegen ist ein gut behüteter Königssprössling mit glorreichen Vorfahren welche allesamt tolle Kämpfer und kühne Abenteurer waren - ihm selbst jedoch verbieten die Eltern den Umgang mit Schwert und Schild.
Nichts desto trotz ist er ein mutiger und nicht minder sympathischer Junge mit dem Herz am rechten Fleck ;)
Ich gebe zu, dass ich die amerikanischen Coverillustrationen hier weitaus treffender finde.

~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Meine Meinung zum Buch ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~
Schreibstil:
Nun ich bin mir nicht sicher ob ich einen Schreibstil im Präsens und dann auch noch im Ich-Erzähler aus zwei verschiedenen, stets wechselnden Perspektiven für ein Kinderbuch besonders Passend finde.
Für mich als erwachsene Leserin war es zwar gut verständlich und auch flüssig geschrieben aber die wenigen Stellen in der die Vergangenheitsform verwendet wurde, klangen wesentlich schöner und angenehmer.
Vielleicht ist das aber auch einfach für Kinder spannender und interessanter zu lesen, denn eines muss ich an dieser Stelle ganz deutlich sagen: dieses Buch kam mir eher wie das Drehbuch zu einem waghalsigem Action-Kinderfilm vor und hat mich oft kaum durchatmen lassen. Soviel Tempo und Höhepunkte Schlag auf Schlag bin ich nicht mal im Kino gewöhnt!
Zudem hat der Autor (oder der Übersetzer) leider keinen konsequenten Ausdruck an den Tag gelegt. Wurde in den ersten paar Kapiteln noch recht jugendsprachlich und salopp formuliert, begegnete ich später mehreren Fremdwörtern, die mir völlig neu waren und einfach nicht zum lockeren Erzählfluss passten.
Nichts desto trotz beweist der Autor einen tollen Humor und weiß durchaus zu überraschen und schocken – mehr als einmal musste ich schlucken, scharf einatmen und Tränen lachen ob irrwitziger Situationen oder extrem spannender Momente!;)
Ich würde gern mal eine Geschichte von Lee Bacon für junge Erwachsene lesen, denn ich glaube, dass sein Stil für solch ein Publikum vielleicht noch ein wenig geeigneter wäre.

Story:
Ich habe bei einer Altersleseempfehlung von 10 Jahren aufwärts eine lockere, harmlose Fantasy-Story mit Humor und Happy End erwartet - Bekommen habe ich eine extrem actiongeladene und temporeiche Drehbuchvorlage XD
Die Grundstory finde ich sehr originell und unterhaltsam – ich habe anfangs nicht alle Zusammenhänge durchschaut und so gab es für mich einige Überraschungen und Wendungen, die mich wirklich begeistert haben.
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir sehr leicht, weil mir beide Protagonisten auf Anhieb sympathisch waren und der eine oder andere sarkastische Kommentar von Kara die Erzählungen wunderbar unterstrichen haben ;)
Leider fand ich die Geschichte an einigen Stellen einfach viel zu ereignisüberladen, die armen Figuren hatten ab einem bestimmten Punkt keine Gelegenheit mehr zum Verschnaufen und waren  pausenlos auf der Flucht.
Auch für mich war das sehr anstrengend, denn man konnte gar nicht so schnell verarbeiten was passierte bevor man in die nächste lebensbedrohliche Situation hereinschliddert ist.
Ganz ehrlich: wenn ich an der Stelle der beiden 12-Jährigen gewesen wäre, hätte ich irgendwann aufgegeben, angesichts dieser übermächtigen Gegenspieler und dem allgegenwärtig drohenden Tod…
Für ein Kinderbuch war es an einigen Stellen einfach zu abgebrüht und sarkastisch, ich störe mich hier wirklich an der Lesealtersangabe und würde es minimal ab 12 Jahren aufwärts empfehlen.
Sehr gelungen fand ich allerdings Prinz Freds Sicht der Dinge auf unsere moderne Welt, egal ob das benutzen eines Mobiltelefons (Mogelsohns) oder der Antrieb eines Autos (pferdelose Metallkutsche) - es ist wunderbar wie es der Autor schafft einem vor Augen führen, wie befremdlich unser Verhalten auf jemanden wirken muss, der all das noch nie erlebt oder gesehen hat!

Charaktere:
Wie bereits erwähnt mochte ich beide Protagonisten auf Anhieb sehr gern, denn jeder hatte erkennbare Stärken, Schwächen und liebenswerte Seiten ;)
Prinz Fred hat mich mit seinen 12 Jahren überzeugt, Kara hingegen hätte ich ohne Angabe ihres Alters auch locker auf 14-15 geschätzt, was nicht zuletzt an ihrem ausgeprägten Sarkasmus und der taffen Art lag, mit der sie jeder Situation trotze. Ein richtig gutes Team die Beiden!
Die mächtige Zauberin hatte es allerdings auch ganz schön in sich, mit ihr hätte ich mich nicht anlegen wollen… eine eiskalte Schönheit, die mich ohne mit der Wimper zu zucken zerquetscht? Nein Danke! XD
Da könnte sich der eine oder andere Disneybösewicht mal eine Scheibe abschneiden. ;)

Fazit:
Ich kann es nur nochmal sagen: dieses Buch hatte mehr von einer rasanten Achterbahnfahrt als von einer harmlosen, unterhaltsamen Fantasy-Story für Kinder.
Das mag nicht schlecht sein, aber in diesem Fall würde ich es meinem Kind eben erst ab 12 Jahren aufwärts zum Lesen geben ;)
Ich war sehr gut unterhalten und an manchen Stellen baff, zu keinem Zeitpunkt stagnierte die Story und gen Ende gab es sogar einen Cliffhanger, der mich wohl dazu veranlassen wird Band 2 ebenfalls zu lesen.
Nichts desto trotz kann ich auf Grund oben genannter Kritikpunkte nur 3,5 von 5 Sternen geben und hoffe auf eine etwas bessere Umsetzung der Fortsetzung.
 
~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~ Wem würde ich das Buch empfehlen? ~ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ~

Fantasy-, Märchen und Abenteuer-Lesefüchse ab dem Alter 12 aufwärts werden sicher auf ihre Kosten kommen und auch als erwachsene Leserin hatte ich eine unterhaltsame Zeit mit diesem Buch ;)

Copperbat
von den Librellis (ehemals Nickypaulas Bücherwelt)


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